Montag, 30.05.2011:
Es ist Nachmittag und regnet, nachdem heute Vormittag toller Sonnenschein war bei 27 Grad. So haben wir Gelegenheit uns in der neuen Bleibe schon etwas einzuleben. Gestern Abend landeten wir mit leichter Verspätung auf Mallorca. Air Berlin lässt inzwischen auch nach, wie wir ja schon in Italien erleben konnten. Service ist halt ein Kostenfaktor. Von unseren beiden Makler-Mädchen wurden wir abgeholt und bekamen dann die neue Wohnung präsentiert. Eine leicht irre Angelegenheit: Liegt im sechsten Stock eines Neubaus mit Fahrstuhl. Hoch über den Dächern der Altstadt. Über uns noch eine Terrasse mit kleinem Pool. Die Wohnung ist fast zu groß, mit mehr Zimmern als wir brauchen, zwei Bädern (die allerdings schlecht beleuchtet sind), Einbauschränke, Fußböden helles Parkett, eine schnieke Mieleküche mit einem Kühlschrank, der sogar sprechen kann. Wenn man die Temperatur ändern möchte, erklärt er auf Spanisch, welche Knöpfe gedrückt werden müssen. Ein Riesenfernseher mit DVD-Player. Die übrige Einrichtung ist leicht flippig mit rotlederner Riesencouch, einem seltsamen Sessel-Monument, einem großen Doppel-Futon als Bettersatz. Man liegt niedrig, aber sehr gut und hart (wir haben die erste Nacht prima geschlafen, abgesehen von morgendlichem Gekreisch riesiger Stadtmöven, die in dem Haus gegenüber (Ruine) ihre Jungen großziehen.) Frühstück gab es in einer Bar direkt gegenüber. Danach ging es in die Markthalle und zu Corte Ingles um die Grundnahrungsmittel sicherzustellen. Nach dem dringend erforderlichen Frisörbesuch bei meinem Lieblingsfrisör waren wir reif für eine Cortado, der wie immer mit keinem Kaffee in Deutschland vergleichbar ist. Übrigens: Wir haben in der Wohnung gute Internetverbindung ins Netz der Stadt Palma, die damit etwas für ihre Bürger und Besucher tut (für umme, wie Jan sagen würde).
Mittwoch, 01.06.2011:
Gestern haben wir erst einmal unsere eingelagerten Koffer von der Spedition abgeholt, so dass wir wieder über ausreichend Klamotten und Badesachen verfügen. Macht auch gleich die Schränke wieder voller. Mit viel Glück konnten wir die Aktion bei strahlendem Sonnenschein über die Bühne bringen. Später dann ging es los, das volle Programm: Blitz, Donner und stundenlanger Regen. Der wurde zeitweise zu einem echten Wassersturz, der sogar Straßen überschwemmte. Das Fernsehen zeigte sogar Bilder davon. Eine Frau musste aus ihrem Auto befreit werden. Abends dann war der Spuk vorbei und wir konnten sogar noch einen Stadtbummel machen. Inzwischen macht sich die schlechte wirtschaftliche Lage Spaniens auch auf der Insel bemerkbar. Gegenüber dem Bahnhof haben Protestierer ihre "Zelte" aufgeschlagen. Selbst die Reiterstatue ist mit Plakaten behängt. Es ist wie auf den Fernsehbildern aus Madrid. Wir registrieren, das viele vertraute Geschäfte und Kneipen plötzlich verschwunden sind und Ladenlokale leerstehen. Es gibt zwar auch neue Kneipen, die sich aber schon als eine Art "letzter Versuch" erahnen lassen. Auch die Zahl der Straßenmusikanten und -darsteller und der Bettler hat zugenommen. Heute ist wieder ein echter Regentag. Immerhin ist der Regen warm. Die Tagestemperatur liegt bei 16 Grad.
Die Bilder zeigen die Couch, den Sessel und einen Blick über die Dächer.
Was wollt Ihr denn - die Möblierung ist doch einwandfrei. Besser als Omas alte Schrankwand und ein Plüschsofa mit Deckchen... Und der Blick über die Dächer entschädigt doch für alles, oder?
AntwortenLöschenWenn die EU nicht unglaubliche Geldmengen in die Infrastruktur der Balearen pumpen würde, sähe es wahrscheinlich aus wie in Griechenland ganz hinten. Die kostenlose Breitbandverbindung ist doch wieder ein typisches Beispiel dafür. Ich frage mich nur besorgt, wogegen da eigentlich protestiert und demonstriert wird - vielleicht für ein Berufsverbot mit vollem Lohnausgleich? Oder die Rente mit 40? Man kann ja gerne gegen die Globalisierung protestieren, dann sollte einem aber auch klar sein, dass ein T-Shirt für 3,95 EUR ein Ergebnis eben jener Globalisierung ist. Wenn man mal den ganzen Schrott weglässt, der in China und Taiwan produziert wird, hat man bald nix mehr anzuziehen und kein Telefon in der Hand. Auch die Spanier müssen begreifen, dass nur die Wertschöpfungskette im eigenen Land Wohlstand bringt. Und nur Qualität langfristigen Erfolg zeitigt; mal sehen, wie man künftig spanische Gurken vermarktet (außer ruinös über den Preis).
Viele Grüße aus dem balearisch-warmen Deutschland
Jan