Manchmal sieht man am Strand Dinge, die man lieber nicht sehen möchte. Man soll zwar nicht im Glashaus mit Steinen werfen, aber die Zunahme der Bevölkerung kann umwerfend sein.
Mittwoch (15.09.2010): Abends waren wir in einem ungewöhnlichen Konzert "Jazz aus Sardinien". Es fand im wunderschönen teatre principal statt. Bei einem Eintrittspreis von 20 Euro pro Person hatten wir sogar eine ganze Loge für uns. Das Konzert bestand aus zwei Teilen mit richtig urwüchsigen Musikern und Sängerinnen. Die Musik wanderte zwischen Modern Jazz und sardinischer Folklore, auf jeden Fall immer temperamentvoll.
Später saßen wir noch bei einem Kaffee am Borne. Es war eine ganz laue Nacht mit etwa 22 Grad um 24 Uhr. Davon können wir dann im norddeutschen Winter zehren.
Donnerstag (16.09.2010): Der Abend, das war die Hölle. Es war die jährliche Nit de l'Art. Wie jedes Jahr wälzten sich die Massen durch Galerien und Museen, wobei nicht ganz klar war, ob es mehr um Kunst oder um die gereichten Häppchen und die Drinks ging. Besonders beachtet und stark vertreten immer wieder die sogenannten Installationen. Eine davon hatte die Stadtreinigung versehentlich gleich beseitigt, weil der Künstler sie auf die Gehwege des Borne geklebt hatte. 4000 Euro Schaden für die Neuanfertigung.
Anschließend gönnten wir uns noch ein paar Pinchos (belegte Brote) beim neuen Lizerran in Porto Pi. Dort spielt nämlich donnerstags eine kleine Jazz-Band. Essen gut, Musik gut: was will man mehr? (Das sind so die Freuden des Alters, Haltestellen auf dem Weg zum Friedhof.)
Überhaupt ist das Wetter immer noch sommerlich schön mit Tagestemperaturen bis 28 und 30 Grad. Nachts geht es runter bis etwa 18 Grad. Manchmal ziehen ein paar Wolken durch. Der morgentliche Wetterbericht aus Norddeutschland ist immer ein Grund für Mitleid.
Freitag (17.09.2010): Schon wieder ein kulinarischer Höhepunkt. Auf einem Parkplatz am Hafen ein Zelt mit Spezialitäten aus Galicien. Wir nahmen Pulpo (toll, mit Salz, Öl und Paprikapulver, Jan, Du würdest knien vor Begeisterung!) und Paella. Anschließend nahmen wird noch ein Brot aus Galicien mit.
Nachts gab es dann das erste Gewitter: kurz aber heftig mit Starkregen. Wir haben trotzdem prächtig geschlafen.
Was war sonst noch? Gelesen haben wir gerade von Delius "Mein Jahr als Mörder". Es ist gut, sich mal an die frühen Jahre der Bundesrepublik zu erinnern. Obwohl das ja eigentlich unsere Zeit war. Über Vieles kann man heute nur den Kopf schütteln. Irgendwie hat man den Einfluß der alten Nazis so garnicht mitbekommen, und was sich speziell in Berlin West und Ost abspielte.
Samstag (18.09.2010): Am Strand war heute starker Wellengang. Die Schwimmer blieben an Land, statt dessen kamen die Surfer. Die trieben aber meistens im Wasser und warteten auf die richtige Welle, die dann doch nicht kam. Wir freuten uns in der Sonne über die zusätzliche Unterhaltung.
In Palma auf den Ramblas hatte man mitten im Verkehr mal eben eine Bühne aufgebaut mit vollem Equipment, Licht und Ton. Dazu ein Haufen Plastikstühle gestellt. Und fertig war ein Blues-Festival. Man nahm sich einfach einen Stuhl, suchte sich einen Platz dafür, alles ganz locker.
Es gab keine Ordner, keine Anweisungen. Und man ging wieder, wann man Lust hatte. Die Musik war dann große Klasse, soweit wir das beurteilen können. Das Publikum jedenfalls war begeistert. Allerdings war inmitten des Verkehrs die Lautstärke so, dass einem die Ohren abfielen, und wir nach einer Stunde uns in ruhigere Gegenden zurückzogen.
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