Donnerstag, 15. September 2011

Nix Orangen

Dienstag, 13.09.2011

Seit Sonntag Abend sind wir in Valencia. Statt einem Ort voller Orangen, wie wir uns das naiv vorgestellt hatten, fanden wir eine moderne Großstadt vor mit einem bemerkenswerten Altstadtkern. Valencia erinnert ein wenig an Barcelona, nur übersichtlicher.

Vom Flughafen ging es per U-Bahn in die Stadt. Unser Hotel liegt sehr günstig nahe dem Rathaus, dessen Glockenspiel stündlich durch die Gassen klingt, auf denen sich Kneipe an Kneipe reiht. Tische vor allen Türen machen sie zu richtigen Fressgassen. Man hat den Eindruck, als wären alle Valencianer und ihre Gäste ständig am Essen und Trinken. Temperaturen zwischen 25 und 33 Grad. Hier ist noch richtig Sommer. Erfrischung kann man sich beim deutschen Wetterbericht holen.

Da gestern Montag war und deshalb die Museen geschlossen, haben wir erst einmal die Innenstadt zu Fuß erkundet für eine erste Orientierung. Auf unserem ersten Weg lag - Überraschung - die Markthalle, die uns echt
umgehauen hat.
Eine Stahl/Glas-Konstruktion in reinem Jugendstil. Hell und übersichtlich, einfach unvergleichlich. Und wir haben ja schon einige Markthallen erlebt.

Die tolle Markthalle

Beim Gang durch die Straßen muss der Blick ständig in die Höhe gehen: Eine bemerkenswerte Fassade reiht sich an die nächste, eine stilvoller als die andere bei wechselnden Materialien von Backstein, Stuck, Kacheln, bis modern in Metall.

Eine Stadtrundfahrt erschloss uns dann auch die Bezirke außerhalb der Altstadt.

Nachmittags haben wir den Kirchturm der Kathedrale erklommen: eine harte Angelegenheit für uns Alte. Nachdem wir uns wieder erholt hatten, konnten wir eine sagenhafte Aussicht bewundern. Der Blick ging über die ganze Stadt bis zum Meer einerseits und in der Gegenrichtung bis zu den Bergen.


Erst rauf und dann wieder runter

Heute haben wir dann das Keramik-Museum besucht. Eine eindrucksvolle Sammlung von den ersten Töpfereien bis zu Picasso, der offensichtlich Einiges auch bei Vorgängern abgeschaut hat. Die ganz modernen Keramiker sind erklärungsbedürftig, aber was soll man aus einem festgelegten Werkstoff auch wirklich Neues machen? Das Museum ist in einem alten Palast untergebracht, dessen Original-Einrichtung noch vorhanden ist: fast unvorstellbarer Prunk, in dem ein einzelner Nachttopf fast rührend wirkt.

Die Pracht vergangener Zeiten im Museum

Später ging es mit der modernen U-Bahn zum Meer. Wir wollten den Strand Valencias kennenlernen und waren wieder überrascht. Da hat man viel Geld in die Hand genommen und eine schicke, endlos scheinende Strandpromenade geschaffen hinter einem tollen, breiten und wunderschönen Strand, der alles, was wir von Mallorca kennen, mühelos in den Schatten stellt.

Ein weiter Strand, am Horizont die Stadt

Zurück ging es mit dem Bus, der uns wieder neue interessante Stadtviertel zeigte. Von den Preisen für U-Bahn (2,40 €) und Bus (1,30 €) können wir daheim nur träumen.


Donnerstag, 15.09.2011

Gestern war Museumstag. Vormittags waren wir im Museum für moderne Kunst. Es ist in einem gleichfalls modernen Bau großzügig untergebracht, der eigentlich eindrucksvoller ist, als sein Inhalt. Sehr interessant und recht umfangreich die Sammlung des spanischen Bildhauers und Malers Julio González, den wir bei dieser Gelegenheit erstmals entdeckten. Bilder, Plastiken, Schmuck - vor allem war Metall sein bevorzugtes Material (kein Wunder, er war gelernter Schweißer).

Fotokunst vor moderner Kunst

In einer Ecke des Museums fanden wir eine große Plastik von Chillida, völlig unbeachtet und wie weggeräumt. Schade.

Nachmittags war dann alte Kunst dran: Museo Bellas Artes. Die Menge an Altären, Altarbildern, frommer Kunst hat uns echt umgehauen. Ein bisschen viel Engel auf einen Haufen, aber eindrucksvoll und überaus sehenswert. Das gilt auch für die "weltliche Kunst" die viele Saalwände bedeckte. Irgendwann ist man mit der Aufnahmefähigkeit am Ende. Aber das ging uns in Madrid schon so.

Fromme Kunst in Massen

Museen sind bei der herrschenden Hitze (meistens um 33 Grad) sehr angenehme Aufenthaltsorte und kosten für uns alte Rentner keinen Eintritt.

Heute fuhren wir mit dem Bus zur neuen "Stadt der Künste und der Wissenschaften". Das ist ein riesiges Projekt, dass irgendwann sogar mit einer eigenen U-Bahn-Linie erschlossen werden soll. Da hat man wieder mit viel Geld eine Vorzeige-Architektur geschaffen, die wir in solcher Großzügigkeit so nur in Spanien erlebt haben. Der Komplex umfasst ein wahnsinniges Konzertgebäude, mehrere Museen, Brücken, eine Wasserlandschaft, einen Garten und viel Platz für Freizeitmöglichkeiten.

Architektur mit vielen Perspektiven

Morgen geht es nach Mallorca. Wir haben nur einen Bruchteil der Möglichkeiten ausschöpfen können, die Valencia bietet. Auch die gastronomischen Möglichkeiten konnten wir nur "ankratzen". Selbst nach Sonnenuntergang ist es zu warm, um sich den Magen vollzuschlagen. Entschädigt dafür hat uns ein wenig das wirklich gute Hotelfrühstück.

Es spricht also vieles dafür, noch einmal nach Valencia zurückzukehren. Auch ohne Orangen.

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