Für den ganzen Sonntag war übelstes Wetter vorhergesagt worden. Es wurde aber ein richtig schöner Tag mit gelegentlichen Wolken, aber in Palma bis immerhin 26 Grad. Die Strände waren aber merklich leerer als gewöhnlich an Sonntagen.
Mittwoch (29.09.2010): Für heute war Generalstreik angesagt. Tagsüber machte sich der eigentlich kaum bemerkbar. Ämter arbeiteten zwar nicht und einige wenige Geschäfte blieben geschlossen. Aber die Stadt war voll wie eh und je, die Busse fuhren, wenn auch mit eingeschränktem Fahrplan. Auch der Flugplan soll eingeschränkt gewesen sein, speziell bei Flügen zum Festland. Erst gegen Abend legten die Gewerkschaften dann los: Riesen-Demo mit großem Polizei-Aufgebot und Hubschrauber-Begleitung. Und einem furchtbaren Krach (Trillerpfeifen, Sprechchöre und Schlachtgesänge), der besonders vor "streikbrechenden" Geschäften loslegte.
Wir waren gestern und heute abends in Orgelkonzerten. Es läuft ein Orgelfestival, von dem wir durch Zufall erfahren haben, weil das Mallorca-Magazin typischerweise nicht berichtete (Penner!). Die Konzerte finden mit jeweils wechselnden Organisten aus unterschiedlichen Ländern statt. Da sie vom örtlichen Fernsehen aufgezeichnet werden, wird diese Aufzeichnung während des Konzerts auf eine Leinwand vor dem Altar übertragen. Man sieht also von Orgelmusik begleitet abwechselnd das Orgelpult, den Organisten bzw. die Organistin, die dazugehörenden Hände und Füße, Kamerafahrten durch die Kirche.
Das heutige Konzert war besonders schön. Eine Organistin aus Prag brachte sehr sanfte Orgelklänge von Komponisten aus dem letzten Jahrhundert. Ganz anders als die bekannten "Hau-drauf-Orgelmusik" bei der man immer das Gefühl hat, dass den Kirchenbesuchern bei dieser Gelegenheit die Sünden ausgetrieben werden sollen.
Freitag (01.10.2010): Heute ein wunderschöner Sonnentag mit Temperaturen bis zu 30 Grad bei knallblauem Himmel. Am Strand aber ein sehr kühler Wind, so dass wir es nicht sehr lange ausgehalten haben. Dort ist auch der Herbst eingekehrt. Die Strandwachen sind abgezogen, die Sonnenhüte werden langsam weniger. Zurück gebummelt über die lange Strandpromenade gen Palma. Kleiner Imbiss bei Bente Schmidt aus Flensburg. Die hat Meeresnähe eine Art Eisdiele aufgemacht, bietet aber auch andere Kleinigkeiten.
Abends dann wieder zum Orgelkonzert. Deutscher Organist, Stefan Kagl, von der Musikhochschule in Herford. Nachher gingen wir noch auf einen Pincho ins Lizerran hier in der Altstadt. Es war noch brechend voll, riesiger Trubel. Draußen noch immer über 20 Grad.
Kneipen und Bars schießen hier laufend aus dem Boden. Zwar macht auch mal eine zu, aber in fast jedem leeren Laden wird eine neue eröffnet. Scheint das einzige Gewerbe zu sein, das noch blüht. Man hat fast das Gefühl, dass die eine Hälfte der Leute im Restaurantgewerbe arbeitet und die andere Hälfte dann bei dieser zu Gast ist. Irgendwann wird dann gewechselt. Langsam beginnt auch unsere letzte Woche. Es gibt am Schluss immer eine Menge von Dingen, die wir eigentlich noch machen wollten. Mal sehen, was wir noch schaffen. Zum Beispiel geht das Orgel-Festival fast nahtlos in die Woche historischer Orgeln über. Deshalb müssten wir eigentlich jeden Abend in einer anderen Kirche sein.
Übrigens: Gerhild sollte mal ihren Provider wechseln, da er anscheinend keine Gespräche nach Spanien vermittelt. Vielleicht kann sie sich Rat bei Susanne holen, die ähnliche Probleme zu haben scheint, weil der Provider nur alle vier Wochen nach Spanien vermittelt. (Kleiner Scherz!). Vielleicht sollten wir uns doch mal intensiver mit Skype beschäftigen. (Manchmal ist auch E-Mail-lesen ganz nützlich.)
Zum Reinhören
Gerhilds Provider schafft es im Gegensatz zu Susannes Telefonanbieter immerhin noch, innerdeutsche Gesprächsverbindungen herzustellen...
AntwortenLöschenIrgendwie hat man bei Euren Berichten den Eindruck, die Spanier arbeiten allesamt nicht mehr, sondern treiben sich in wechselnder Besetzung auf der Straße herum: Als Tänzer, Musiker, Zuschauer, Demonstrant. Und alle leben von staatlichen Zuwendungen und wundern sich wie die Griechen dann über die galoppierende Staatsverschuldung. Was zuviel Sonne da so ausrichtet - obwohl: Irland gilt doch eigentlich nicht als übermäßig sonnenverwöhnt.
Grüße aus dem die-krankenkassen-beschummelnden-und-sich-erwischen-lassenden Berlin
Janutarnimke
Janutarnminke: vielleicht sollten wir ein wenig von der spanischen Lebensart importieren.
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