Dienstag, 1. Juni 2010

Bei McDonald's ins Internet

Dieser Bericht wird sozusagen "auf Vorrat" geschrieben, da ringsum verständlicherweise kein W-lan vorhanden ist, und wir noch nicht wissen, in welchem Hafen wir Zeit für ein Internet-Café bzw. überhaupt für einen längeren Landgang haben.



27.05.2010

Wir sind an Bord und haben das erste Mittagessen hinter uns gebracht. Der Kapitän Franz Kuhn hat uns sehr nett begrüßt. Aber vorerst sind wir uns überlassen, weil ständig Container verladen werden. Riesige Gestelle gehen mit Blechkisten wie mit Spielzeug um, wuchten sie vom Schiff, knallen sie auf Zugmaschinen. Menschen sind im Hafen kaum zu sehen. Das Ganze hat leicht irre Dimensionen
.

Zum Hafen kamen wir in einem Spezial-Taxi, das der örtliche Agent uns vermittelt hatte, und das uns direkt auf das abgesperrte Hafengelände brachte und vor der "Velazquez" absetzte.

Die Kabinen - angeblich sagt man auf Schiffen "Kammern" dazu - sind freundlich, sauber, zweckmäßig und sehr wohnlich. Sie haben so eine Art Bullaugen-Fenster und kleine Nasszellen
mit Dusche, Waschbecken und Klo.






Der 2.Offizier machte uns abends mit den Sicherheitseinrichtungen des Schiffes bekannt. Wir haben die verschiedensten Möglichkeiten uns ins Wasser zu retten, vom Schlauchboot über Rettungsinseln bis zu so einer ganz modernen Rutsche.

28.05.2010

Die erste Nacht an Bord war durch Lärm beeinträchtigt, weil der Ladevorgang unverändert fortgesetzt wurde. Das Absetzen der Container machte - jetzt beim Beladen - ordentlich Krach. Um 6 Uhr wurden wir dann telefonisch auf die zu dieser Zeit noch sehr nächtliche Brücke eingeladen, weil wir auf keinen Fall das Ablegen des Schiffes versäumen wollten.

Die Trossen wurden von einer besonderen Mannschaft, die in Autos ankamen, losgeworfen. Dann löste sich das Schiff erst mit dem Heck, dann nach hinten und schließlich mit dem Bug vom Kai. Ein Lotse kam auch noch per Boot, aber nur ganz kurz an Bord. Dann ging es aus dem Hafen in die offene See. Langsam wurde es heller.

Blick zum Voschiff

Auf der Brücke

Tiefe Wolken hielten sich über der Küste, während auf See langsam die Sonne herauskam. Abends hatte es sogar noch etwas geregnet.

Frühstück, Mittagessen und Abendbrot mit dem Kapitän. Die Zeiten sind wie im Krankenhaus: tierisch früh. Das Essen ist ausgesprochen schmackhaft, leider aber auch sehr reichlich, so dass wir schon um kleinere Portionen gebeten haben. Zwischendurch gibt es auch noch Kaffee.

Nach dem Abendessen Karaoke mit dem Kapitän, der uns bei dieser Gelegenheit auch die Sozialräume des Schiffes zeigte.

Der Nachmittag war sonnig. Der Wellengang angenehm. An der Backbordseite ist ganz entfernt immer die Küste im Dunst zu sehen. Der nächste Hafen wird Vigo sein.


29.05.2010

Schon um 6 Uhr aufgestanden, um das Einlaufen in den Hafen von Vigo nicht zu verpassen. Leider fand die Fahrt durch die vorgelagerten Inseln bei strömendem Regen statt. Erst später klarte es auf, und nachmittags und abends schien sogar die Sonne. Da nur verhältnismäßig wenige Container zu verladen waren, konnte ein Stadtbummel nicht erfolgen, so dass wir uns die Beine nur im Container-Hafen vertreten konnten (was aber eigentlich nicht erlaubt ist).

Beim Frühstück überraschte man die Maus mit einer riesigen Geburtstagstorte, die dann
nachmittags beim Kaffee verteilt wurde, zur Freude der Besatzung.



Die Abreise verzögerte sich um mehrere Stunden, weil ein Mann der Besatzung mit Verdacht auf Blinddarmentzündung ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der damit verbundene Papierkram über mehrere Dienststellen und Agenten dauerte und dauerte.

Wie auch morgens das Anlegemanöver wurde auch das Ablegen vom Kapitän mit Bravour ganz sanft absolviert, obwohl bei einem Wind von etwa Stärke 4 die aufgetürmten Container eine erhebliche Angriffsfläche bieten.

Wir sind jetzt auf dem Weg nach Sines, schon weit südlich von Lissabon. Hier wird die Hafenzeit so um die 3 Stunden betragen, so dass wir wohl wieder an Bord bleiben müssen.

Wir schlafen prima trotz ständigem Brummen von Motoren und Klimaanlage.


30.05.2010

Wunderschönes Sonnenwetter mit Wind. Wir sind viel an Deck. Sehen in der Ferne gelegentlich andere Schiffe, insgesamt aber wenig Verkehr. Hatten abends noch bis Mitternacht auf der Brücke mit dem Kapitän geplaudert, der nebenbei seine Bildschirme (Radar und Seekarte) im Auge behielt. Das Schiff steuerte automatisch. Es geht sowieso alles automatisch. Das Schiffspersonal sieht man eher selten: beim Essen und bei Manövern (Anlegen und Ablegen, Be- und Entladen).

Am späten Vormittag Einlaufen in Sines. Wir sind in Portugal. Stellen fest, dass Jan pünktlich um 10 Uhr angerufen hatte. Wir waren aber noch ohne Empfangsmöglichkeit auf See. Vielen Dank dafür trotzdem. Wieder gingen und kamen zahlreiche Container. Auslaufen deshalb erst nach 16 Uhr. Jetzt sind wird auf dem Weg nach Las Palma. Das bedeutet, dass wir bis D
ienstag auf See sind bis kurz vor Afrika.

Wir haben heute sogar kurz deutsches Fernsehen geschaut. Erfahren, dass Deutschland in Oslo gewonnen hat, und dass das Wetter hier wesentlich besser ist. In den Tatort haben wir nur kurz geschaut. Einmal war er langweilig und zum anderen brach das Bild oft zusammen. Der Satelliten-Empfang ist an Bord nicht so gut und hört in Kürze wegen der Entfernung ganz auf. Der Blick aufs Meer ist wesentlich erbaulicher als der auf den Bildschirm, stellen wir fest.


31.05.2010

Den ganzen Tag auf See ohne Landsicht. Erträglicher Seegang. Das Meer ist dunkelblau. Angenehm warm bei Sonnenschein, nachdem sich morgens der Dunst verzogen hatte. Lange aufs Meer geschaut. Keine begegnenden Schiffe.

Später viel gelesen und zwischendurch eine Stunde Mittagschlaf. Die Besatzung putzte alle Decks sehr gründlich.

Von Franz, dem Kapitän, durch den Maschinenraum geführt. Eine tolle Anlage, alles sehr sauber, aber laut. Selbst für größere Reparaturen sind Ersatzteile und Bearbeitungsmaschinen vorhanden. Anschließend noch ein Rundgang über Deck bis zum Bug, immer neben den aufragenden Containern.

Maus und Kapitän

Morgen sollen wir am späten Vormittag in Las Palma ankommen. Hoffentlich endlich genug Zeit für einen Landgang.

2 Kommentare:

  1. Na, allgemeine Erleichterung überall... Es gibt Euch noch und Ihr seid weder abgesoffen, noch von Piraten entführt noch auf dem Weg nach Palästina mit Hilfsgütern im Schiffskonvoi.

    Der Versuch, Telefonkontakt aufzunehmen, verläuft immer etwas bizarr: Nach dem Wählen der spanischen Mobilfunknummer ewige Pause, dann zweimal Freizeichen und sofort anschliessend "Kein Anschluss unter dieser Rufnummer". Tja, ohne Satelliten-Telefon wird das wohl nichts mehr...

    Macht bloss keine Versuche mehr, deutsches Fernsehen zu empfangen: Nach Lena Meyer-Landplage jetzt noch ausgeköhlert - das muss man alles gar nicht wissen wollen. Auf Klimaanlagen wollen wir hier in Deutschland auch mal wieder angewiesen sein wollen. Bei einstelligen Nachttemperaturen brauchen wir nur die Heizung... In Berlin war der diesjährige Mai derjenige mit der kürzesten Sonnenscheindauer seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen vor 120 Jahren: 94 Stunden kamen zusammen, normal sind rund 135.

    Also, Mast- und Schotbruch für die letzte Etappe!

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  2. Hurra, meine Eltern leben noch!

    Herzliche Glückwünsche nachträglich zum Geburtstag!!!
    Hätte Jan den Morgen abgewartet, hätte er berichten können, dass wir jetzt endlich die Heizung ausstellen und die Dauenjacken wegpacken können - es wurde Sonne gesichtet!
    Alles Liebe
    S.

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